4. OSTERSONNTAG

1 Petr 2,20-23

Joh. 10, 1-10

 

Welche Bedeutung hat Jesus für uns, für unser Leben? Glaube ich an ihn und wie wird das in meinem Leben sichtbar?

Im Johannesevangelium sagt Jesus, mit Hilfe von vielen Bildern, wer er für uns sein will: »...der Weg, die Wahrheit und das Leben.«, »... das Brot des Lebens, .« »...das Licht der Welt.« »... der Gute Hirt.« Empfinden wir das so? Ist das auch unsere Überzeugung?

Jesus lebte in einer sehr ländlichen Umgebung, wo es Handwerker, Bauern, Hirten gab. Er sprach zu einfachen Menschen, verwendete Bilder und Erfahrungen aus ihrem damaligen Leben. Deswegen ist es für uns nicht immer einfach zu verstehen, was er meint. Wer von uns kennt im Alltagsleben noch Hirten und Schafe? Wir müssen also versuchen, die Bildsprache von Jesus in unsere heutige Sprache zu übersetzen, die damalige Erfahrungen vergleichen mit unseren heutigen Erfahrungen und uns fragen, ob das, was Jesus meint, auch für uns gilt.

 

Zur Zeit Jesu lebten viele Menschen von Schafen, die für sie sehr kostbar und wertvoll waren. Deswegen setzt sich der Hirt für seine Schafe voll ein, damit es ihnen gut geht. Er hat auch eine Beziehung zu seinen Schafen: Sie kennen ihn, hören auf seine Stimme, haben Vertrauen zu ihm. Deswegen hören sie nicht auf die Stimme eines Fremden. Sie folgen nur ihm.

 

Ist Jesus uns vertraut? Kennen wir seine Stimme? Hören wir noch seine Stimme unter den vielen Stimmen, die im Alltagsleben auf uns einwirken, durch die Medien, in unseren Unterhaltungen mit anderen Menschen? Die Stimmen der Werbung, Wirtschaft, Politik.... sie alle sprechen uns an, dringen auf uns ein, mit ihren sehr unterschiedlichen Meinungen, Überzeugungen, Wertvorstellungen und Versprechungen. Auf welche dieser Stimmen höre ich besonders? Welche beeinflussen mich ganz stark? Welche bestimmen meine Sicht auf diese Welt, auf die Menschen, auf mein Leben? Lass ich mich aber leiten von dem, was Jesus sagt, weil ich überzeugt bin, dass nur er mich zum wahren Leben führt?

 

Jesus sagt: „Ich bin die Tür zu den Schafen“. Er betont dies im Blick auf die Führer des Volkes, die nur auf ihre Autorität, ihre Macht bedacht sind. Gemeint sind damit heute auch alle, die bloß aus eigenem Interesse - Streben nach Macht oder Geltungsbedürfnis - Menschen leiten, führen wollen. Jesus bezeichnet sich als die „Tür" für die Menschen. Er eröffnet ihnen den Weg zur Freiheit und zu Weideplätzen. Anders gesagt: Jesus ist eine Führungspersönlichkeit, die uns zu einem Leben in Verbundenheit mit Gott und miteinander befähigen will. „Ich bin die Tür zum Leben, zum Leben in Fülle. Wer durch mich hinein-geht, wird gerettet werden, wird Lebenserfüllung finden.

 

Jeder Mensch wird von einer tiefen Sehnsucht nach Leben getrieben. Er spürt, wenn er ganz ehrlich ist, in sich eine Unvollkommenheit, oft eine innere Leere, die gefüllt werden will. Er strebt nach Erfüllung. Jesus verspricht: Wer sich auf mich einlässt, wird die echte Lebenserfüllung finden. Wenn wir auf ihn hören, seiner Stimme folgen finden wir den Weg zum wahren Menschsein, zum inneren Frieden und Glück.

 

Glauben wir ihm das? Hören wir seine Stimme, tief in unserem Herzen? Sind wir überzeugt, dass wir bei ihm, durch ihn, das wahre, erfüllte Leben finden? Dann müssen wir versuchen, den Weg zu gehen, den er gegangen ist: In radikalem Gottesvertrauen und mit Liebe zu den Mitmenschen.

 

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